Stoltefamilie
Stoltefamilie/Familie von Werder
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Das Leben des Hans Nikolaus von Werder mit seiner Ehefrau Anna Maria von Frantzius.

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von Rauchhaupt

Die lebensstationen des Hans Nikolaus von Werder (zum Vergrößern anklicken)

Aus der Werder´schen Familienchronik

Gen.21.4g Oskar Heinz Hans-Henning Stolte

Werder (Hans Nikolaus v. Werder)

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Brunos jüngster Sohn Hans Nikolaus (VI.), war der Stammhalter des Hauses Sagisdorf. Geboren den 7. Mai 1856 in Frankfurt (Oder), erhielt er bis zu seinem 11. Lebensjahre Unterricht im elterlichen Hause zu Sagisdorf und besuchte sodann das Stadtgymnasium in Halle (Saale). Ostern 1875 verließ er dieses nach bestandener Reifeprüfung für die akademische Laufbahn unter Befreiung vom Mündlichen, um auf den Universitäten zu Heidelberg, Leipzig und Halle die Rechte zu studieren. Er war tonangebender Korpsbruder der Heidelberger Rhenanen und eine Kraftnatur durch und durch, körperlich wie geistig. Trotzdem konnte er wegen einer leichten Verbiegung der Wirbelsäule nicht Soldat werden. Am 5. Juli 1878 bestand Nikolaus (VI.) in Naumburg die Referendarprüfung und wurde anschließend beim Amts- und Landgericht zu Halle (Saale) sowie beim Oberlandesgericht in Naumburg im Vorbereitungsdienste beschäftigt. Den 30. April 1883 legte er zu Berlin die zweite Große Staatsprüfung ab. Als Gerichtsassessor war er teils beim Amtsgericht, teils als Hilfsrichter beim Landgericht in Halle (Saale) tätig. Auf sein Gesuch um Übernahme in die allgemeine Staatsverwaltung wurde ihm am 30. März 1884 die kommissarische Verwaltung des Landratsamtes in Kreise Goldap (Ostpreußen) übertragen. Die Lehrzeit war zu Ende; nunmehr konnte er seine Kenntnisse in den Dienst des Staates stellen.

Von Kindheit an im Geiste konservatiever Staats- und Weltauffassung erzogen, entfaltete Nikolaus (VI.) in Goldap bei den Reichstagswahlen im Jahre 1884 — also gleich nach der Amtsübernahme — eine erfolgreiche Tätigkeit. Die Politik hatte ihn gebannt und ließ ihn bis an sein Lebensende nicht mehr frei. In der Jugend die geniale Arbeit Bismarckscher Reichsgründung miterlebt, hatte er sich auf der Universität umfangreiche Geschichtskenntnisse, die Grundlage jeder politischen Tätigkeit, angeeignet. Seine Rednergabe erleichterte ihm sein politisches Wirken, das bei den Wahlen zu einem außerordentlich günstigen Ergebnis führte. Außer einem ehrenden Schreiben des Regierungspräsidenten erfreute den jungen Assessor ein Brief des Oberpräsidenten, worin ihm dieser seinen besten Glückwünsche und die Anerkennung der Regierung Seiner Majestät aussprach. Mit Patent vom 21. November 1884 zum Landrat des Kreises Goldap ernannt, wirkte er in dieser Stellung im besten Einvernehmen mit Stadt und Land in segensvoller Weise. Des einsamen Junggesellentums müde, trat er den 24. Februar 1887 zu Uhlkau in den Ehestand. Er heiratete die am 27. August 1864 geborene Anna Maria von Frantzius aus dem Hause Uhlkau, eine Tochter des Theodor Albert von Frantzius auf Uhlkau bei Hohenstein (Westpreußen) und Rosa Emma Behrend.

Die weite Entfernung von der väterlichen Scholle Sagisdorf hatte den Wunsch aufkommen lassen, im Regierungsbezirk Merseburg Verwendung zu finden. Dieser Wunsch ging im Jahre 1889 durch Ernennung zum Regierungsrat an der Merseburger Regierung in Erfüllung. Nach dreijähriger Tätigkeit in dieser Stellung wurde er 1892 zu seiner großen Freude zum Landrat des heimatlichen Saalkreises in Halle ernannt. Seine um diese Zeit mit dem Tode abgehende Mutter (22. September 1892) hatte in ihrem Testament nicht ihren ältesten Sohn Kurt (III.), sondern ihren jüngsten, Nikolaus (VI.), zum Erben von Sagisdorf eingesetzt. So war er nun auch Gutsherr im eigenen Kreise und verlebte die Sommermonate regelmäßig auf seinem Besitztum. Die Tätigkeit des neuen Landrats fand bald den lebhaften Beifall seiner Kreiseingesessenen. Gleich zu Beginn führte er einen harten, aber erfolgreichen Kampf gegen die Verwendung falscher Maßregeln bei der Nietlebener Choleraseuche, der ihm ein Anerkennungsschreiben des Regierungspräsidenten sowie den Roten-Adler-Orden 4. Klasse mit der Krone einbrachte. Aber nicht nur auf dem Gebiete der Verwaltung des Kreises entfaltete er emsiges Wirken, sondern auch die Politik sah ihn auf dem Kampfplatze. Als die Aktiengesellschaft, die eine Reihe konservatiever Männer zum Erwerbe der Hallischen Zeitung im Jahre 1882 gegründet hatte, sich 1893 auflöste, wurde unter dem Vorsitze des Landrats von Werder eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, um dieses Blatt weiter als konservatives Sprachrohr benutzen zu können. Bis zu seinem Tode hat er dieser Zeitung nahegestanden. Bald wurde Nikolaus (VI.) zum Vorsitzenden des Konservativen Vereins für Halle und Umgebung gewählt. Als solcher hatte er die Freude, im Februar 1896 dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh (bei Hamburg ) mit einer Abordnung die Ergebenheitsadresse der Hallischen Ordnungspartei zu überbringen und beim Frühstück eine Ansprache an den Fürsten zu halten. Die Sagisdorfer Bismarkeiche, ein Geschenk des Fürsten aus dem Sachsenwald, erinnert noch heute an diese Begebenheit.

Im Herbst 1899 sollte ihn eine höhere Aufgabe aus seinem erfolgreichen Arbeitskreise herausnehmen. Am 23. Oktober jenen Jahres ist Nikolaus (VI.) zum Oberpräsidialrat in Königsberg ( Ostpreussen) ernannt worden, in welcher Stellung er den 18. Januar 1900 durch Verleihung des Roten-Adler-Ordens 3. Klasse mit der Schleife ausgezeichnet wurde. Bereits seit Juli 1888 Ehrenritter, empfing er am 26. Juni 1900 den Rechtsritterschlag des Johanniterordens, in dessen Dienste sein Vater das Leben gelassen hatte. Schon unter dem 17. März 1903 erfolgte seine Ernennung zum Königsberger Regierungspräsidenten. Nur kurze Zeit hatte er in seiner bisherigen Stellung wirken können; aber sie genügte, um ihm in weiten Kreisen der Provinz die vollste Wertschätzung einzubringen. Auch als Regieringspräsident entwickelte Nikolaus (VI.) eine segensreiche Tätigkeit, wobei er wiederum durch seine große Rednergabe unterstützt wurde.

Auf einer Urlaubsfahrt nach Meran Ostern 1906 machten sich zum ersten Male Spuren eines ernsten Magenleidens bei ihm bemerkbar, das zwar gebessert, niemals aber geheilt wurde. Schon damals dachte er daran, seinen Abschied zu nehmen. Ein längerer Erhohlungsurlaub ließ aber noch einmal die Wiederaufnahme seiner Arbeit zu. Um die Wende der Jahre 1908/09 legte ihm ein Zwist mit dem Ministerium für Forsten wegen Überhandnahme des Elchabschusses auf ministerielle Weisung den Gedanken des Rücktritts erneut nahe. Als im April 1909 ein Versuch, in gleicher Stellung nach Merseburg zu kommen, unerwartenderweise scheiterte, auch eine Verschlimmerung seines Magenleidens eingetreten war, entschloß er sich, sein Abschiedsgesuch einzureichen, das am 13. Dezember 1909 mit der gesetzlichen Pension und der Verleihung des Sternes zum Kronen-Orden 2. Klasse genehmigt wurde.

Nikolaus (VI.) siedelte nunmehr nach Sagisdorf über. Hier erholte er sich bei strenger Nahrungsregelung sowie sorgsamer Pflege und Fürsorge durch seine Gattin bald von seiner Anfälligkeit. Auch fand sich für den arbeitsgewohnten Mann in politischer und schriftstellerischer Hinsicht Gelegenheit, seine reichen Erfahrungen zu verwerten. In erster Linie bewegte ihn das Gebiet der inneren Politik. Als aber im Jahre 1912/13 die drohenden Wolken am auswärtigen politischen Horizont sich zusammenballten, als die Marokkokriese und die Balkankrisen in den Vordergrund traten, zeichnete er auch treffend die Richtlinien für unsere Diplomatie. In England sah er den Feind; nach Rußland suchte er die Verständigung. Seine Warnungen blieben ungehört und von vielen ungeglaubt. Anlässlich des 1912 in der Provinz Sachsen stattfindenden Kaisermanövers wurde er zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat mit dem Range der Räte erster Klasse ernannt. Der im August 1914 ausbrechende Weltkrieg vervielfältigte sein Wirken und Schaffen für seinen König und die Größe seines Vaterlandes. Nikolaus (VI.) übernahm es, wöchentliche Kriegsberichte für die Hallische Zeitung zu verfassen; der Arbeitsausschuß der Landkreise Sachsen-Anhalt sah ihn in eifriger Tätigkeit. Im Mai 1915 erkor ihn der Wahlkreis Delitzsch zu seinem Abgeordneten in den Landtag. Diese aufreibenden Geschäfte lösten im Juli 1915 einen kleinen Schlaganfall bei ihm aus, von dem er sich jedoch soweit erholte, dass er im Winter 1915/16 in Berlin sein Amt als Abgeordneter ausüben konnte. Die Vertagung des Abgeornetenhauses ließ ihn dann wieder von Sagisdorf aus seine Arbeiten aufnehmen. Bei einer Rede, die er am 24. Mai 1916 in Delitzsch hielt, ereilte ihn der zweite Schlaganfall. Von diesem Zeitpunkt an merkte man an Sprache und Schrift das Nachlassen seiner Spannkraft. Trotzdem zog es ihn im September 1916 wieder zum Abgeordnetenhaus nach Berlin. Anstrengende Vollsitzungen von früh bis spät, reichliche Arbeit in den Ausschüssen und die schlechte Kriegsverpflegung zehrten in erschreckenden Maße an seinem Körper und seinen Nerven. Der Kampf um Deutschlands Schicksal ließ ihn nach alter preußischer Pflichttreue trotz seiner sinkenden Kräfte auf dem Platze ausharren, auf dem er noch helfen zu können glaubte. Die immer mehr zutage tretene führerlose Politik nagte an dem konservativen Mann, durch die er zum inneren Gegensatze gegen seinen Königlichen Herrn gezwungen wurde. Die Gewissenskämpfe, die er ausgetragen hat, kann man nicht in Worten schildern; die Schwere dieser Kämpfe ist nur an seinem rasch abnehmenden körperlichen Widerstande zu ermessen. Den Untergang des Deutschen Kaiserreichs mit anzusehen, ersparte ihm ein gütiges Geschick. Den 22. Oktober 1917 schloß er — erst im 62. Lebenjahre stehend — in Sagisdorf die Augen zur letzten Ruhe. Sein Leben hatte ausgekämpft, das köstlich war; denn es ist voll Mühe und Arbeit gewesen. Vielleicht unbewusst hatte dieser rege und schaffensfreudige Geist sich das Schliessensche Leitwort zu eigen gemacht:

"Mehr sein als scheinen!"


Die Hallische Zeitung zeichnete in einem Nachruf folgendes Charakterbild des Entschlafenen:

" Mit allen Fasern seiseines leidenschaftlich für das deut--schen Volkes Größe und Wohlfahrt schlagenden Herzens hing er an seinem Preußen, das für ihn im Bismarckschen Geiste der Grund- und Eckpfeiler eines machtvollen Deutschen Reichs blieb.

Seine bis in die tiefsten Wurzeln seines Wesens dringende Königs- und Vaterlandsliebe, die Besorgnis, dass schlimme Gewalten den Bestand und die Fortentwicklung unseres Vaterlandes gefährden könnten, trieb ihn auf den Plan und ließ ihn an der Parteien tätig Anteil nehmen, im Sinne der Niederringung volks- und reichsverderbender Strömungen."


Seine sterblichen Überreste ruhen in dem von ihm errichteten Erbbegräbnis auf den Reideburger Neuen Friedhofe. Ein Ölgemälde Nikolausens wird in Sagisdorf aufbewahrt.
Auch die Werdersche Gesamtfamilie hat dem Verstorbenen viel zu danken.


Die Bestrebungen, in unserer Sippe einen engeren Zusammenschluß herbeizuführen, unterstützte er im Jahre 1907 durch den von ihm ausgearbeiteten Entwurf einer Satzung für den Familienverband. Zwar fand dieser infolge des Widerstandes einiger Vettern damals keine Annahme; doch wurde er bei der endgültigen Gründung des Familienverbandes im Jahre 1920 fast wörtlich übernommen. Insonderheit ist der darin zum Ausdruck gebrachte Gedanke, das anzusammelnde Vermögen des Verbandes zur Wiederseßhaftmachung des Geschlechts zu verwenden, aufrechterhalten worden und soll trotz aller Schwierigkeiten als heiliges Vermächtnis stets weiter verfolgt werden.
Seine Witwe, eine immer hilfsbereite, liebevolle Gattin, Mutter und Großmutter, blieb vorerst zu Sagisdorf wohnen, siedelte aber am 1. Januar 1924 in das benachbarte Halle über. Dieser Entschluß bereitete die Selbstbewirtschaftung von Sagisdorf durch den Sohn vor. Selbstlos und großzügig ließ sie diesen in der Entfaltung aller notwendiger Maßnahmen nach eigenem Ermessen gewähren. Wo es galt, durch Zustimmung oder Unterschrift ihrem Sohn zu helfen, tat sie es. Niemals verfiel sie in den Fehler mancher älteren Menschen, hemmend und zweifelsvoll notwendige Neuerungen zu verhindern. Ihr volles Vertrauen in jede Maßnahme ihres Sohnes belohnte sie auf das schönste. Zur rechten Zeit wurde Sagisdorf aus einem gefahrdrohenden Pachtgut ein selbstbewirtschafteter Besitz, dessen hohe Intensivität und Erbhofsicherheit dem sich aubreitenden Halle Trotz bieten kann. Auch von ihr ist in Sagisdorf ein Ölbild vorhanden.

  

Sohn Hans Nikolaus

mit Vater Bruno

Bruno Rudolf in Königsberg

Hans Nikolaus von Werder


* 7.5.1856 in Frankfurt / Oder

 +22.10.1917 auf Rittergut Sagisdorf

Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat und Regierungspräsident des Kreises Königsberg/Ostpreußen

Verheiratet am 24.2.1887 auf Uhlkau  in Westpreussen

Anna Maria von Frantzius

*27.8.1864 auf Uhlkau/Westpr.

+ 23.12.1957 in Halle / Saale

  

Dem Ehestand entsprossen vier Kinder, ein Sohn:

Wilhelm Hans (XLIII.) Klaus

und drei Töchter:
Klara Rose Anna Magdalene
Lilli Helene Agnes,
Annemarie Agnes

Anmerkung:  Am 17. März 1903 erfolgte Hans Nikolaus von Werders Ernennung zum Königsberger Regierungs-präsidenten. Etwas später am 22.4.1905 wurde Christian Wilhelm Karl Oskar Stolte zum Bezirkskommandanten des Landwehrbezirk Königsberg/Ostpr. ernannt. Das heißt, die zivile Führung des Kreises durch Nikolaus von Werder und die militärische Führung des Kreises durch Oskar Stolte trafen hier zusammen. Es ist sehr anzunehmen, dass sich beide kennenlernen mussten, ohne wissen zu können, dass ihre jeweiligen Enkel Gisela von Werder und Hans-Henning Stolte später einmal heiraten würden.

Hier treffen beide Familien das 2. mal aufeinander mit Karl Ludwig Stolte und Bruno Rudolf von Werder (eine Generation zuvor im 7-jährigen Krieg).

Fotogalerie

Anna Maria 1954 in Halle/Saale

mit 90 Jahren

Die Braut Anna Maria

Werder (Hans Nikolaus v. Werder)

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