Stoltefamilie/Familie von Werder

Die Schlacht von Königgrätz
Stoltefamilie/Familie von Werder

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Das Leben des Bruno Rudolf von Werder mit seiner Ehefrau Karoline Henriette Auguste Pauline Luise Clara von Rauchhaupt a.d.Hs. Trebnitz.

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von Rauchhaupt

Die lebensstationen des Bruno Rudolf von Werder (zum Vergrößern anklicken)

Aus der Werder´schen Familienchronik

Gen.21.4f Oskar Heinz Hans-Henning Stolte

Werder (Bruno Rudolf v. Werder)

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Bruno Heinrich Wilhelm August Rudolf pflanzte das Geschlecht fort. Geboren in Trebnitz den 1. August 1809, verlebte er seine Jugend im elterlichen Hause, teils auf diesem Gute, teils zu Köthen (Anhalt), später in Halle (Saale), wo er auch die Schule besuchte. Nach bestandener Reifeprüfung für die Universität (1828) wandte er sich dem Forstfach zu. Er kam zunächst zu seinem Oheim, dem Oberförster von Meverinck zu Lödderitz an der Elbe, in die Lehre und verbrachte in diesem schönen, wildreichen Jagdrevier eine höchst glückliche Zeit.
Ostern 1829 bezog er die mit der Universität Berlin vereinigte Forstakademie und trat gleichzeitig bei der sogenannten Roten Schwadron des Herzogs Wilhelm von Braunschweig des 2. Garde-Ulanen-Regiments als Einjährig-Freiwilliger ein. Nachdem er noch ein halbes Jahr Rechtswissenschaft studiert hatte, siedelte er im Herbst 1830 nach Neustadt-Eberswalde über, wohin die Forstakademie inzwischen verlegt worden war. Mit sehr gutem Zeugnis verließ er im Herbst 1831 diese Anstalt, legte in Magdeburg die Oberförster-, zu Merseburg 1832 die Referendarprüfung ab und wurde anschließend bei der dortigen Regierung mit Forst- und anderen Verwaltungsarbeiten beschäftigt.
Im Jahre 1832 hatte Bruno einen Zweikampf mit einem Arttillerieoffizier namens Schlimbach zu bestehen, wobei er durch einen Stich in den rechten Oberarm, der die Pulsader verletzte, lebensgefährlich verwundet wurde. Erst eine im Sommer 1833 in Wiesbaden gebrauchte Kur gab dem Arme die volle Gebrauchsfähigkeit wieder.

Das Zeugnis der Reife zur höheren Staatsprüfung erhielt Bruno 1835 gleichzeitig mit dem Rufe zur Wahrnehmung der Forstassessorenstelle bei der Regierung zu Gumbinnen, wo er bis zum Herbst 1836 verblieb. Nachdem er im Mai 1837 in Berlin die Assessorenprüfung mit einem vorzüglichen Zeugnis bestanden hatte, wurde ihm im Januar 1838 die vorübergehende Verwaltung der Oberförsterstelle in Mörbach (Reg.-Bez. Trier) übertragen. Dort, einsam auf dem Hunsrück lebend, trat der Wunsch, sich eine Häuslichkeit zu gründen, immer lebhafter bei ihm hervor. Seine Blicke waren schon längst auf seine am 10. Februar 1818 zu Trebnitz geborene Base Karoline Henriette Auguste Pauline Luise Klara von Rauchhaupt aus dem Hause Queis, einer Tochter des Majors Wilhelm Ernst Ludwig von Rauchhaupt auf Queis und der Henriette Wilhelmine Felicitas Karoline von Reiche, gerichtet, in der er das Urbild einer zukünftigen Hausfrau gefunden zu haben glaubte. Die Hochzeit fand den 6. Oktober 1839 in Queis statt. Mit dieser Vermählung heiratete in dritter unmittelbarer Folge ein Werder auf Sagisdorf eine Rauchhaupt aus dem Hause Trebnitz, ein Umstand, der bei der Werderschen Besitzmehrung in später Zeit von Bedeutung werden sollte.

Inzwischen war Bruno am 1. April 1839 als Assessor zur Regierung nach Potsdam versetzt worden. Hier blieb er bis zum 31. März 1841 und war dann bis 30. Juni 1847 Forstinspektor zu Königsberg (Preußen). Auf seinen Wunsch, mehr nach den westlichen Provinzen versetzt zu werden, erhielt er die wichtige Forstinspektion Landsberg (Warthe). Dort brachte er das unglücksehlige Jahr 1848 zu und wirkte als tüchtiger Reaktionär nach Kräften gegen die Wogen des Liberalismus und der Demokratie. Im Juni 1849 wurde er zur Regierung nach Frankfurt (Oder) versetzt und im nächsten Jahre zum wirklichen Forstmeister mit dem Range eines Regierungsrates ernannt.

1853 kaufte er das bei Frankfurt (Oder) im Kreise West-Sternberg gelegene 3200 Morgen große Rittergut Gäden, das er durch angestrengte Tätigkeit aus einem sehr heruntergewirtschafteten Zustand so empor brachte, dass er nach vier Jahren mit einem Reingewinn von 16 000 Talern wieder veräußern konnte. Den 24. Juni 1856 wurde er zum Johanniterritter ernannt und empfing in Berlin aus den Händen des Herrenmeisters Prinzen Carl von Preußen die Abzeichen des Ordens. Nach 30jähriger Dienstzeit erbat Bruno am 1. Juli 1862 den Abschied aus dem Staatsdienste, wozu ihn damals herrschende politische Zustände bewogen hatte, da es einen Reaktionär, wie er es war, schwer wurde, sich einem liberalen Ministerium zu beugen. Dazu kam, dass die Verwaltung von Sagisdorf, die er kurz vor dem Tode seines Vaters übernommen hatte, sich nur mit Schwierigkeiten bei einer so großen Entfernung durchführen ließ. Endlich hatten ihn auch wiederholt eingetretene Gichtanfälle davon überzeugt, dass er den Anstrengungen des Forstdienstes, namentlich den damit verbundenen Besichtigungsreisen, nicht mehr gewachsen war. Mit dem 1. November 1862 trat er unter Verleihung der gesetzlichen Pension in den Ruhestand über und verlegte seinen Wohnsitz nach Sagisdorf wo er in glücklicher Ruhe und Zufriedenheit lebte und sich mit der Bewirtschaftung und Verbesserung seines Gutes beschäftigte.

Kurz vor dem Beginn des Feldzugs gegen Österreich, im Juni 1866, wurde Bruno auf seine Meldung zur Verwendung im Felddiakonat des Johanniterordens vom Ordenskanzler beauftragt, dem vaterländischen Heere zu folgen, um auf den Verbandsplätzen und den Militärlazaretten des Kriegsschauplatzes verwendet zu werden. Dass er diese Pflicht sowohl vor und während der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 (siehe Anmerkung am Ende dieser Biografie) als auch im Hauptkriegslazarett zu Sitschin im vollsten Umfang erfüllt hat, ist nicht nur von Berichterstattern in öffentlichen Blättern hervorgehoben worden, sondern auch vom Johanniterorden anerkannt worden, indem ihn der Herrenmeister am 25. Juni 1867 in der Sonnenburger Ordenskirche zum Rechtsritter schlug. Als sichtbares Andenken wurde ihm ferner die von Seiner Majestät dem Könige gestiftete Erinnerungsgedenkmünze zuteil. Schließlich erhielt er im Jahre 1867 auch den Roten-Adler-Orden 4. Klasse mit dem Johanniterkreuz zum Andenken an seine verdienstvolle Tätigkeit im Felde und die treue Erfüllung seines Johanniterdienstes. Aus Brunos Feder kam 1867 in Halle (Saale) ein Büchlein mit der Aufschrift "Erlebnisse eines Johanniter-Ritters auf dem Kriegsschauplatze in Böhmen" heraus, von dem sich ein Abdruck im Familienarchiv befindet. Diese Schrift enthält unter anderem eine lebhafte und anschauliche Darstellung der Tätigkeit des Johanniterordens in Kriegszeiten vom damaligen praktischen Standpunkt aus betrachtet und fand allgemeinen Beifall. Bei einem Besuch in Paris im Jahre 1867 überreichte er sie im Schloß der Tuilerien dem Kaiser Napoleon III. Die Eintragung in der "Collection de Documents, tirés du cabinet de L´ empereur" (Abdruck im Sagisdorfer Archiv) lautet folgendermaßen:

"Werder (B. von), chevalier de l`ordre de Saint Jean à Sagisdorf (Presse), fait hommage à l ´empereu de son livre:"Les aventures d´un chevalier de Saint Jean pendant la guerre de Bohême."

Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1870 befand sich Bruno zur Heilung seines Gichtleidens in Karlsbad. Er unterbrach sofort die Behandlung und stellte sich von neuem für die freiwillige Krankenpflege im Felde zur Verfügung. Zum Delegierten des Johanniterordens beim IV. Armeekorps (General von Alvensleben) ernannt, begleitete er diesen in den Krieg. Im Treffen bei Beaumont (30. August) wurde sein Pferd verwundet; weiterhin nahmen die rasch sich füllenden Lazarette seine Tätigkeit in Anspruch. Gegen Ende September wollte er dem IV. Armeekorps zur Einschließung von Paris nachfolgen, erkrankte aber unterwegs an typhösem Fieber. Auf einer Karte an seine Angehörigen aus Reims vom 26. September schrieb er zum Schluss: "Mir geht es heute nicht gut, ich habe Kopfschmerzen und denke, es wird besser werden, wenn ich 2 Meilen zu Pferde gemacht habe." Das nächste Schriftstück lautet: "An den Johanniter-Ritter von Alvensleben in Reims.

"Liege seit 3 Tagen hier alleine und verlassen krank. Bitte um Zuwendung ärztlicher Hilfe.

 von Werder, Johanniterritter."

Er wurde nun nach Reims überführt; aber trotz sogfältiger Pflege im dortigen Kriegslazarett machte die Krankheit schnelle Fortschritte. Den 12. Oktober 9 Uhr vormittags hauchte er daselbst seinen Geist aus, nach der Anzeige seiner Familie "an dem bösartigen Fieber, das er sich in den Lazaretten zu Beaumont zugezogen hatte". In der Kreuzzeitung las man über Bruno folgenden aus seiner Samariter-Tätigkeit für die Armee hervorgegangenen Vermerk: "Am 12. Oktober verstarb der Forstmeister a.D., Johanniter-Ritter, Herr von Werder auf Sagisdorf bei Halle, am Typhus in Reims, wohin derselbe schwer erkrankt von Ville en Tardenois (Departement Marne) gebracht worden war" und nachstehenden ehrenvollen Nachruf unbekannter Hand: "Am 12. d. Mts. starb zu Reims im Offizierslazarett am Nervenfieber ein tapferer und treuer Mann, der seine Pflicht für König und Vaterland getan mit Gott. der frühere Königliche Forstmeister zu Frankfurt (Oder), Rechtsritter des Johanniterordens, Herr Bruno von Werder, einem uralten Geschlechte des Saalkreises angehörig. Wie schon im Jahre 1866 zog auch in diesem Kriege der eifrige Johanniter mit dem Heere in Feindesland und hat nun, den Brüdern dienend, auch endlich sein Leben für die Brüder hingegeben. Sein Gedächnis wird in weiten Kreisen ein Segen bleiben. Gott der Herr wolle die Hinterbliebenen trösten." Auch ein auf Bruno bezughabendes stimmungsvolles Gedicht Konrads von Prittwitz sei hier der Vergessenheit entrissen:


"Zu Reims in der alten Krönungsburg
Da hat er sein Haupt geneigt,
Und, wie ein Ritter sterben soll,
Dem trotz`gen Feinde gezeigt.

Zu Reims in der alten Krönungsburg
Da war ein stiller Mann.
Der Schlachtlärm verhallte zur rechten Zeit,
Daß er ruhig sterben kann.

Zu Reims in der alten Krönungsburg
Am zwölften Oktober-Tag,
Der tausend Schmerzen gelindert hat,
Der Helfer selbst erlag.

Zu Reims in der alten Krönungsburg
Da brach der Todesschmerz,
Da klopfte den letzten Liebesschlag
Ein Samariterherz.

Zu Reims in der alten Krönungsburg
Wer kennt den stillen Mann?
Schlaf wohl, schlaf wohl auf dem Ehrenpfühl,
Du Ritter von Sankt Johann!"


Seine Leiche wurde aus Frankreich in die Heimat geschafft und in der alten Familiengruft zu Reideburg beigesetzt. In der Jahresversammlung der Sächsischen Provinzial--genossenschaft des Johannieterordens beschloß man, ihm auch im Wochenblatt der Ballei Brandenburg einen würdigen Nachruf zu widmen. Seine Gattin überlebte ihn lange, sie starb in Sagisdorf den 22. September 1892 an einem Schlaganfall und ruht ebenfalls in der alten Reideburger Familiengruft. Je ein großes und zwei kleine Ölbilder von ihnen (auf einem der letzteren sie als Braut) befinden sich im Besitze der Nachkommen.

Die gesamte Familie von Werder hatte in Bruno einen unermüdlichen Förderer ihrer Belange verloren; er war lange Jahre Rendant der Familienstiftungen und einer der eifrigsten Mitarbeiter bei der Gründung der Stiftung B. Die von ihm gesammelten und zusammengestellten Nachrichten über die Familie von Werder sind für die Geschichtsforschung von bleibenden Werte. Sie befindet sich im Sagisdorfer Archiv.

Die Eheleute hatten drei Söhne:
Karl Wilhelm Rudolf Ludwig Kurt (III.),
Hans Gebhard (II.) Dietrich,
Hans Nikolaus (VI.) (Stammfolger)
und zwei Töchter:
Emilie Hedwig Sidonie Margarete,
Adolfine (Lilli)














  

  

Verheiratet am 6.10.1839 auf Queis

Karoline Henriette Auguste Pauline Luise Clara  von Rauchhaupt

* 2.10.1818 auf Schloß Trebnitz

+ 22.10.1892 auf Rittergut Sagisdorf

Bruno Rudolf von Werder


* 1.8.1809 auf Schloß Trebnitz

 +12.10.1870 im Kriegslazarett zu Reims/Frankreich


königl. preuß. Forstmeister

  

Vater Bruno mit

Sohn Hans Nikolaus

Anmerkung: 3.7.1866, zur gleichen Zeit als Bruno Ludwig von Werder, der Johanniterritter, iin der Schlacht bei Königgrätz auf preußischer Seite verwundete Soldaten versorgte, kämpfte Karl Ludwig Stolte, kaiserl. königl. österr.ungarischer Major im Österr. Infanterie-Regiment Nr. 33 zu Wien auf österreichischer Seite auf direkter Front gegen die Preußen und wurde durch Granatsplitter verwundet. Er starb 4 Jahre später an Schwindsucht in Wien.

Karl Ludwig Stolte war ein Sohn von Generalmajor Dietrich Wilhelm von Stolte (Gen.17)


Die beiden Familien wurden später,  nach 4 Generationen, durch Heirat des Hans-Henning Stolte und der Gisela von Werder (Gen.21) vereint.

  

Gutshaus Queis gehörte zu diesere Zeit der Familie von Rauchhaupt.

Die Schlacht bei Königgrätz

In der Schlacht bei Königgrätz trafen im im Deutschen Krieg die Truppen Preußens beim tschechischen Dorf Sadowa am 3.7.1866 auf die Armee Österreichs und Sachsens. In einem Gelände von etwa zehn Kilometern Breite und fünf Kilometern Tiefe bekämpften sich über 400.000 Soldaten in einer verlustreichen Schlacht. Zentren der Kämpfe bildeten die strategisch wichtigen Hügel Svíb bei Maslowdet und Clum bei Schestar. Durch den Sieg in dieser kriegsentscheidenden Schlacht wurde Preußen Führungsmacht in Deutschland und Bismarck setzte damit die kleindeutsche Lösung durch. Die Schlacht gilt als einer der Wegbereiter für die Deutsche Reichsgründung.


Nachfolgend ein kurzes Video dazu: Die Schlacht bei Königgrätz

Prinz Friedrich Karl befehligt preußische Truppen

Werder (Bruno Rudolf v. Werder)

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Dei Eltern von Clara von Rauchhaupt

Wilhelm Ernst Ludwig von Rauchhaupt

* 16.9.1792

+ 29.4.1867

Henriette Karoline von Reiche

* 17.9.1795

+ 17.5.1879