Stoltefamilie/Familie von Werder
Stoltefamilie/Familie von Werder

Das Leben des Timon Moritz Ludwig (III.) von Werder mit seiner Ehefrau Wilhelmine (Minette) Karoline Sophie Ferdinande von Rauchhaupt.

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von Rauchhaupt

Aus der Werder´schen Familienchronik

Gen.21.4e Oskar Heinz Hans-Henning Stolte

Werder (Timon Moritz Ludwig (III.) v. Werder)

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Timon Moritz Ludwig (II.), war den 29. Juli 1780 in Halle (Saale) geboren. Da er schon im Alter von 4 Jahren fast gleichzeitig beide Eltern verlor, wurde er zunächst bei seinem Großvater Marquard (I.) Ludwig von Werder und nach dessem Tode (1788) bei seinem Oheim Karl (I.) von Werder, dem späteren Oberzolldirektor in Magdeburg, der eine Schwester seiner Mutter zur Frau hatte, erzogen; seit dem Jahre 1793 besuchte er die Ritterakademie zu Brandenburg (Havel). Seine militärische Laufbahn begann im Februar 1795, also im Alter von 14 1/2 Jahren, als Standartenjunker im Kürassier-Regiment von Byern (später von Quitzow) Nr. 6 zu Aschersleben, in dem er unter dem 5. Juni 1796 zum Kornett, 9. Juli 1798 (1799) zum Sekonde-Leutnant befördert wurde und den Zusammenbruch des Vaterlandes im Jahre 1806 erlebte. Das Regiment bewährte an dem unheilvollen Tage von Auerstedt (14. Oktober) durch tapfere und gelungene Angriffe seinen alten Ruf, mußte aber dem unvermeindlichen Rückzuge der Armee folgen. Infolge des schimpflichen Friedens von Tilsit wurde Ludwig (II.) durch Kabinettsorder vom 14. November 1808 als Premierleutnant mit seiner alten Uniform verabschiedet.

Schon im Jahre 1806 hatte er sich von seinem Standort Aschersleben aus verlobt mit der am 18. August 1787 zu Halle (Saale) geborenen Wilhelmine Karoline Sophie Ferdinande von Rauchhaupt aus dem Hause Trebnitz, einer Tochter des verstorbenen Majors a.D. Wilhelm Franz Dietrich von Rauchhaupt auf Trebnitz, Mörtewitz und der Henriette Sophie Auguste von Rohr. Die unfreiwillige Ruhezeit der Jahre 1808 bis 1810 verlebte er auf dem großen, aber durch den Krieg stark mitgenommenen Rittergute Trebnitz, half seiner verwitweten Schwiegermutter in der Landwirtschaft und bemühte sich, die infolge seines frühen Diensteintrittes vorhandenen Lücken seiner wissenschaftlichen Kenntnisse auszufüllen. Mehrere Aufforderungen, in die Millitärdienste des Königreichs Westfalen, zu dem Trebnitz jetzt gehörte, zu treten, wies er mit Entschiedenheit zurück. Dagegen sandte er vier Gesuche an den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen um Wiedereinstellung in die preußische Armee, denen aber infolge der obliegenden traurigen politischen Verhältnisse nicht stattgegeben werden konnte. Die ablehnenden Entscheidungen mit eigenhändiger Unterschrift des Königs befinden sich im Sagisdorfer Archiv; die letzte vom 2. Oktober 1809 aus Königsberg (Preußen) lautet

"Werter, besonders Lieber!

Ich kann auf Eure unterm 17. vr. Monats wiederholt an Mich gerichtete Schreiben Mich nur auf Meine Antwort vom 28. August und 2. März vorigen Jahres beziehen. Da es ebenso unmöglich bleibt zu Eurer Wiedereinstellung in meine Armee eine weniger entfernte Aussicht zu gewähren, als es zufällig ist, Euch den Charakter als Rittmeister beizulegen. Wenn Ihr Euch nun hiernach überzeugen werdet, daß Ihr durch erneutes Cupplicieren Euren Zweck nicht erreichen könnt, so hoffe Ich auch, daß Ihr ferner nicht unnütz behelligen werdet Euren übrigens gnädigen König

Friedrich Wilhelm"

Inzwischen hatte Ludwig (II.) am 27. Oktober 1808 in Trebnitz den Ehestand gegründet. und bezog mit seiner jungen Gattin ein neben dem Schloß liegendes kleines Haus, wo sie fast 1 1/2 Jahr in glücklicher Zurückgezogenheit lebten. Eine von seiner Frau im Januar 1810 an den preußischen König gerichtete erneute Eingabe um Wiedereinstellung ihres Gemahls im Heere verfiel gleichfalls der Ablehnung. Dagegen erhielt dieser unter dem 7. März 1810 die Erlaubnis zur Annahme der Kammerherrenstelle bei dem ihm befreundeten Herzog August Christian Friedrich von Anhalt-Köthen, wo sich eine Anzahl aufrechter, franzosenfeindlicher Männer zusammengefunden hatte und bei dem er auch Albert (I.) von Werder als Offizier unterbrachte. Ende des Jahres 1812 starb dieser treudeutsch fühlende Fürst. Ludwig (II.) gab daher seine Stellung als Kammerherr auf und ging zu seiner Familie, die unterdessen auf vier Kinder angewachsen war, nach Trebnitz zurück.

Beim Ausbruch des Krieges von 1813 eilte er zur preußischen Armee, trat als Volontäroffizier in die Jägerabteilung des Neumärkischen Dragoner-Regiments ein und tat als solcher Dienste bei dem General von Kleist während des Gefechts bei Halle und in der Schlacht bei Leipzig (18. Oktober 1813). Sodann ist er mit anderen Vaterlandsfreunden und Offizieren beauftragt worden, das Elb-National-Husaren-Regiment (dem Stammtruppenteil des späteren Stendaler Husarenregiments), dessen Depot Aschersleben wurde, aufzustellen. Hierauf erhielt er eine weitere Tätigkeit bei Errichtung Gendarmerie zwischen Elbe und Weser, wurde den 14. Januar 1814 zum Stabsrittmeister in der Gendarmerie, 7. Juni 1815 zum wirklichen Rittmeister befördert und gleichzeitig — in ausdrücklicher Anerkennung seiner Dienste, die er sich um die Bildung des Gendarmeriekops erworben hatte — zum Kreisoffizier zwischen Elbe und Weser mit dem Standorte Halle (Saale) ernannt.

Im Jahre 1817 kaufte Ludwig (II.) das vor den Toren der Stadt Halle liegende Rittergut Sagisdorf von Karl von Möllendorff zu dem geringen Preise von 23 000 Talern. Er fühlte sich dazu besonders bewogen, weil dieses Gut früher jahrhundertelang im Besitz der Familie seiner Gattin gewesen und erst 1798 von denen von Rauchhaupt an die von Möllendorff gelangt war. Der "Sattelhof" Sagisdorf hatte 1430 Peter von Schkölen gehört, war aber bald darauf im Besitz eines Dietrich von Zerbst gewesen, von dem ihn 1476 Hans von Rauchhaupt erwarb. In der Möllendorfschen Zeit (1798 bis 1817) ist das alte, mit Burggraben umgebene Haus abgebrochen und statt dessen der Mittelbau, des Herrenhauses errichtet worden. Da die Stellung als Gendarmerieoffiozier Ludwig (II.) Zeit ließ und er große Neigung zur Landwirtschaft besaß, unterzog er sich mit vielem Eifer der Verwaltung und Verbesserung des Gutes. Mehrere Jahre lebte er mit seiner Familie ganz in Sagisdorf, von dort aus auch seine hallischen Dienstgeschäfte erledigend. Später brachte er nur die Sommermonate auf seinem Landsitze zu. Zur Vereinfachung der Bewirtschaftung verpachtete er große Teile des Grund und Bodens an Gemüsebauern des unmittelbar angrenzenden Dorfes Reideburg, wodurch eine sehr hohe Nutzung erzielt wurde.

Ludwigs ( II.) weitere militärischen Veränderungen waren: 30.Dezember 1820 zum Abteilungskommandeur in der 4. Gendamarie-Brigade zu Halle ernannt, 30. März 1831 zum Major befördert und nach Merseburg versetzt, 16. März 1839 zum Brigadier der 2. Gendarmerie-Brigade in Stettin ernannt, 20. Oktober 1841 zum Oberstleutnant, 30. März 1844 zum Oberst befördert. Nachdem ihm 1845 der Johanniterorden verliehen worden war, erhielt er auf sein Ansuchen unter dem 15. November des gleichen Jahres den Abschied als Generalmajor mit Pension unter Verleihung des Roten-Adler-Ordens 2. Klasse.

Nach der Verabschiedung widmete sich Ludwig (II.) wieder seinem Gute Sagisdorf und wohnte dort in den Sommermonaten, den Winter über aber zu Halle in dem ihm gehörenden Hause vor dem Steintore, Ludwig-Wucherer-Str. 8. Das unglückliche Jahr 1848 ergriff ihn tief und, obgleich bereits 68 Jahre alt und körperlich leidend, bot er doch dem bedrängten Könige seine Dienste in jeder Stellung an, um wie früher gegen äußere, so jetzt gegen innere Feinde für seinen Herrn zu kämpfen. Da die Wogen des aufgeregten Staates sich indessen wieder beruhigten, konnte sein gnädig angenommenes Unterbieten nicht zur Tat werden. Freudig schloss er sich jedoch in Halle dem Vereine konservativer Männer an, um das Aufruhrfieber zu bekämpfen und der nichtswürdigen Demokratie entgegenzutreten. In den folgenden Jahren beugten wechselnde Krankheiten seinen Körper; Ende 1851 wurde er ganz an das Krankenbett gefesselt. Am 24. März 1852 starb er zu Halle an Entkräftung und wurde in der von ihm angelegten Familiengruft an der Reideburger Kirche beigesetzt

Ludwig ( II.) ist seit dem 20. November 1833, dem Ableben Ferdinands (I.), Senior der Familie gewesen und hat in 18jähriger Amtsführung die Belange des Geschlechts lebhaft gefördert. Durch den Kauf des Rittergutes Sagisdorf mittels Verwendung seines verfügbaren Kader Lehnstammes in Höhe von 15960 Talern, die er noch zur rechten Zeit aus dem Lehnsschiffbruch in Sicherheit brachte, gebührt ihm das Verdienst, der hereinbrechenden Besitzlosigkeit dieser Sippe wenigstens nach dieser Seite hin ein Ziel gesetzt zu haben. Sagisdorf ist zwar nur 280 Morgen groß, besteht aber zumeist aus wertvollem Gartenland.

Seine Gattin verschied den 17. Februar 1857 in Frankfurt (Oder) an der Brustwassersucht im Hause ihres ältesten Sohnes Bruno, tief betrauert von ihm, seiner überlebenden Schwester, der Schwiegertochter und den Enkeln. die sie als das Muster einer liebenden, gütigen, sorgsamen Mutter und Großmutter verehrt hatten. Sie wurde zu Reideburg an der Seite ihres Gatten in der Familiengruft beigesetzt.

Aus der Ehe gingen hervor drei Söhne:
Bruno Heinrich Wilhelm August Rudolf (Stammfolger)
Ludwig (Louis) (IV.) Wilhelm August
Hermann (VII.) Julius Emil,
und drei Töchter:
Luise
Berta Auguste
Emilie (Etti) Henriette


  

Der private Wirkungskreis der Familie

Timon Moritz Ludwig (III.) von Werder


* 29.7.1780 in Halle / Saale

 +24.3.1852 in Halle / Saale


königl. preuß. Generalmajor im Befreiungskrieg gegen die Franzosen

Verlobung 1806

Verheiratet am 27.10.1808 auf Schloß Trebnitz

Wilhelmine (Minette) Karoline Sophie Ferdinande von Rauchhaupt

* 18.8.1787 in Halle / Saale

+ 17.2.1857 in Frankfurt / Oder

Rittergut Sagisdorf

um 1750. ging 1817

in den Besitz der Familie

von Werde

Kirche in Reideburg mit

Familiengruft

Werder (Timon Moritz Ludwig (III.) v. Werder)

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Kurzbiografie des Timon Ludwig (III.) von Werder

Generalmajor a.D.

Er heiratet seine Cousine, die Tochter des Majors aus dem selben Regiment

Auch Louis genannt


1794 Eintritt als Juncker in das Kürassierregiment "von Quitzow"

1799 Beförderung zum Lieutnant

1806 Krieg gegen die Franzosen

1808 und 1809 Ludwig ersucht Wiederanstellung in der Armee. Diese ist seiner Majestät allerdings unmöglich

1810 - 1813 Ludwig ist Kammerherr beim Herzog von Köthen

1813 Volontäroffizier beim Jägerdetachment des neumärkischen Dragonerregiment

unbek. Er soll das Elb-National-Husaren Regiment organisieren

22.01.1814 Er wird Stabsrittmeister

22.06.1815 Er wird Wirklicher Rittmeister

1817 Er kauft Sagisdorf vom Herrn von Möllendorf

1831 Ludwig wird Major und wird nach Merseburg versetzt

1834 Er ist Senior der Familie von Werder

1841 Er wird Oberstleutnant

1844 Er wird Oberst

15.11.1845 Er wird Generalmajor

Eltern von Wilhelmine von Rauchhaupt

Franz Wilhelm

 von Rauchhaupt

* 6.12.1757

+ 5.9.1805

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Henriette Auguste Sophie von Rohr

* 16.8.1765

+ 12.12.1823